+++ Pressemitteilung +++ + Über 300 Menschen auf Antifa Demo + + Breites Bündnis setzt entschlossenes Zeichen gegen Neonazis + + Provokationen und grob fahrlässiges Verhalten der Polizei + Fazit: gute Provinz Demo ++++

Am gestrigen Samstag, 24.03.2012, demonstrierten in Bad Neuenahr mehr als 300 Menschen gegen Neonazis und das sogenannte “Braune Haus”. Getragen wurde das breite Bündnis von antifaschistischen Gruppen aus der Region. Insgesamt unterstützten das “Bündnis 24.März 2012” über 70 Gruppen und Einzelpersonen.

Auch in der Provinz! - Keine Stadt - Keine Strasse - Kein Haus, den Nazis!Transparent am Anfang der Demo des Bündnis 24 März 2012 – Auch in der Provinz! – Keine Stadt – Keine Strasse – Kein Haus, den Nazis!

Im Vorfeld

Die Situation um die antifaschistische Demonstration war im Vorfeld unübersichtlich, da die ursprüngliche Anmeldung der Demonstration vom 02.02.2012 die Behörden angeblich nicht erreichte. Erst eine erneute Anmeldung der Demonstration wurde akzeptiert. Zeitgleich sollte ein Naziaufmarsch in Ahrweiler stattfinden, dessen Anmeldung kurzfristig zurückgezogen wurde, da dessen Anmelder, einer der führenden Köpfe des “Aktionsbüro-Mittelrhein”, derzeit in Untersuchungshaft sitzt. Trotz der Großrazzia gegen die Neonazis des “Aktionsbüro-Mittelrhein” und der unklaren Ausgangslage hielt das Bündnis an einer breiten und offensiven Mobilisierung fest.

Darüber hinaus wurde die Demonstration bereits vor Wochen von einer Vertreterin der lokalen SPD in der Presse diffamiert. Sie schwadronierte in einem Presseinterview von “Krawalltouristen”. Eine Konsequenz daraus war es für Teile des bürgerlichen Spektrums eine eigene Kundgebung anzumelden, die “Extremisten” ausschloss. Unklar bleibt allerdings, wen genau sie mit “Extremisten” meinten. Die Piratenpartei? Jugendverbände wie beispielsweise die Falken oder die grüne Jugend? Oder gar die stellvertretende Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Frau Eveline Lemke? Sie alle fanden sich auf der Unterstützer_innenliste der antifaschistischen Demonstration wieder.

Zum Tag

Bei strahlendem Sonnenschein fanden sich auf dem Bahnhofsvorplatz in Bad Neuenahr gegen Mittag etwa 300 Menschen ein. Trotz mehrfacher Kommunikation des Bündnisses eine kraftvolle und bunte Demonstration durchführen zu wollen, hatte die Polizei wohl der Presse nicht entnommen, dass bei dieser Demonstration von dem Bündnis keinerlei Eskalation ausgehen sollte. Anreisende Antifaschist_innen wurden bereits am Bahnhof Bad Neuenahr von Polizeihunden ohne Maulkorb begrüßt und dabei rechtswidrig von der Polizei abgefilmt.

Antifaschistische Aktion - LuftballonBiologisch abbaubare Naturkauschuk Luftballons in Pink der Antifaschistische Aktion mit nicht reaktiven Helium gefühlt

An der Auftaktkundgebung wurden pinke Luftballons verteilt und eine Vertreterin vom DGB betonte in ihrer Rede, dass sie nicht verstehe, warum es zwei Veranstaltungen und nicht eine gemeinsame Veranstaltung gegen Rechts an diesem Tag in Bad Neuenahr gebe. In einem weiteren Redebeitrag der Antifa Ahrweiler wurde die lokale Naziszene und Vorbehalte bürgerlicher Gruppen in der Zusammenarbeit mit Antifaschist_innen thematisiert.

Danach zog eine lautstarke Demonstration mit Sprechchören wie “Nationalismus raus aus den Köpfen” und “Siamo tutti antifascisti” Richtung Stadtzentrum. Über den Lautsprecherwagen wurden Passant_innen über den Anlass der Demonstration aufgeklärt. Viele Menschen schlossen sich spontan der Demonstration an, so dass diese bereits vor der ersten Zwischenkundgebung am Rathaus auf über 300 Menschen anwuchs.

Das Problem heisst Rassismus - Break the silenceTransparent in viele Sprachen: Das Problem heisst Rassismus – Break the silence

Am Rathaus folgten ein Redebeitrag der VVN BdA Mainz und ein Redebeitrag der Antifa Bonn Rhein/Sieg über Alltagsrassismus. Nach dieser ersten Zwischenkundgebung zog die Demonstration lautstark weiter durch Bad Neuenahr in Richtung Weinbergstraße. An der Ecke der Straße mit dem Blick auf das “Braune Haus” gab es einen Redebeitrag der Antifa Koblenz und der Antifaschistischen Initiative Andernach zu den Themen “Rheinwiesenlager”, Geschichtsrevisionismus und dem Naziaufmarsch in Remagen.

Anschließend zog die Demonstration weiter durch ein Wohngebiet und überquerte eine Bahnstrecke. Hierbei wäre es fast zu einem tragischen Zwischenfall gekommen. Trotz mehrfacher Hinweise von Demonstrant_innen an die Polizei über einen heranfahrenden Zug, handelte diese nicht. Zu sehr waren die Polizist_innen auf die Demonstrant_innen fixiert, anstatt ihre Aufgabe wahrzunehmen und die Bahngleise zu beobachten. Erst als sich die Bahnschranken schlossen hielt es die Polizei für notwendig zu reagieren. Zu diesem Zeitpunkt standen mehrere Polizist_innen und Demonstrant_innen auf dem Bahnübergang. Nur dem besonnenen Verhalten der Demonstrant_innen ist es zu verdanken, dass niemanden etwas passierte. Die Polizei handelte an dieser Stelle grob fahrlässig.

Antifa-Demo meets bürgerliche KundgebungLaute Antifa-Demo meets bürgerliche Kundgebung

Auf dem Rückweg zog die Demonstration lautstark an der bürgerlichen Kundgebung vorbei und lud die Teilnehmer_innen ein, sich der antifaschistischen Demonstration anzuschließen. Sprechchöre der Antifademo zogen die Aufmerksamkeit der Teilnehmer_innen nach sich, wurden jedoch leider von einem Teilnehmer der Kundgebung mit dem Mittelfinger quittiert. Bei der Abschlusskundgebung gab es einen weiteren Redebeitrag von einem Mitglied des Stadtrats aus Remagen und einem Redebeitrag zur Mobilisierung für eine Demonstration am 31.03. in Frankurt, die im Rahmen des internationalen Aktionstag gegen Kapitalismus, M31, stattfindet.

Im Anschluss der Demonstration kam es durch überzogenes Vorgehen, zu einem kurzem Gerangel mit der Polizei, da diese Personalien eines Menschen feststellen wollte, der angeblich eine Ordnungswidrigkeit begangen hätte. Nachdem sich die Situation beruhigt hatte, reisten die Demonstrant_innen ab.

Wir dulden keinen NaziterrorWir dulden keinen Naziterror

Fazit

Das “Bündnis 24. März 2012” konnte sein Ziel, mit der Demonstration ein entschlossenes Zeichen gegen Neonazis zu setzen, erreichen. Trotz aller Unklarheiten im Vorfeld beteiligten sich über 300 Demonstrant_innen in einem breiten Bündnis von autonomer Antifa bis ver.di Jugend bei schönstem Frühlingswetter an einer rheinland-pfälzischen Provinzdemo. Das lässt für zukünftige Aktionen in der Region hoffen. Erfreulicherweise schlossen sich auch viele Passant_innen, junge Familien und Teile des Friedensbündnis Remagen der antifaschistischen Demonstration spontan an. Die befürchteten Bilder um die “Krawalltouristen” blieben aus, wenn auch die Polizei sich zum Schluss nicht ganz von einer Deeskalation überzeugen lies. Leider verwehrten sich dennoch auch an diesem Tage große Teile der lokalen Zivilgesellschaft und der bürgerlichen Kundgebung der Demonstration. Hier besteht für das “Bündnis 24. März” Aufklärungsbedarf, dass einen konsequenten Antifaschismus in der Region etablieren, und dabei über punktuelle Anlässe hinausgehen möchte. Mit der erfolgreichen Demonstration ist ein erster Schritt getan. Vielen Dank an alle Teilnehmer_innen und Unterstützer_innen unserer Demonstration! Ein besonderer Dank an alle Menschen, die einen weiten Weg nach Bad Neuenahr auf sich genommen haben!

Pressemitteilung des Bündnis 24. März 2012 –

Weitere Bilder der Demonstration an 24. März 2012 in Bad Neuenahr/Ahrweiler unter http://u732.minus.com/mnxdZMsQ6/

ARD Tagesschau 13.3.2012 – Razzia gegen das rechtsextremistische Aktionsbüro Mittelrhein

Antifa Demo 24.3.2012 Bad Neuenahr-Ahrweiler

Bad Neuenahr-Ahrweiler demonstriert gegen Neonazis

Bad Neuenahr-Ahrweiler – Mehr als 1000 Menschen haben am Samstag in Bad Neuenahr-Ahrweiler friedlich gegen Neonazis, Fremdenhass und Rassismus demonstriert. Zu einer Kundgebung für „Freiheit und Toleranz“ der Stadt waren rund 800 Bürger gekommen. Parallel dazu zog ein Demonstrationszug antifaschistischer Gruppen mit rund 300 Teilnehmern, so die Polizei, durch die Stadt unter dem Motto „Keine Stadt, keine Straße, kein Haus für Nazis“.

Bad Neuenahr: Rund 300 Teilnehmer beteiligten sich am Demonstrationszug der Antifa.Bad Neuenahr: Rund 300 Teilnehmer beteiligten sich am Demonstrationszug der Antifa.

Eine Demonstration rechtsextremer Gruppen für ein „freies nationales Jugendzentrum“ war abgesagt worden, nachdem unter anderem der Anmelder bei der Razzia in der Zentrale des rechtsradikalen „Aktionsbüros Mittelrhein“, dem sogenannten „braunen Haus“, durch Polizei und Verfassungsschutz Anfang März verhaftet wurde.

Auch nachdem die Behörden die Strukturen zumindest vorerst zerschlagen haben, hielt die Stadt an dem Plan für die Kundgebung fest. Von 500 Teilnehmern war der Stadtrat als Veranstalter ausgegangen, doch zeitweise waren es mehr als 800 Bürger – nicht nur aus der Kreisstadt – , die sich auf den auf dem Parkplatz hinter dem Rathaus vor der Bühne drängten zur Kundgebung „Wir für Toleranz und Freiheit“ gekommen: Viele mit weißen Friedenstauben-Buttons ausgestattet, etliche mit weißen Ballons. Darunter auch die stellvertretende Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Eveline Lemke, die SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles, die CDU-Bundestagsabgeordnete Mechthild Heil, Landtagsabgeordnete, Verwaltungschefs und Kommunalpolitiker aus dem Kreis.

„Bad Neuenahr ist unsere Stadt“, so Stadtbürgermeister Guido Orthen zum Auftakt der rund zweieinhalbstündigen Kundgebung. Der drohende Aufmarsch der Neonazis sei es schließlich gewesen, der zu dieser Kundgebung geführt habe: „Sie wohnen nicht nur unter uns, sie verbreiten nicht nur dumpfe Parolen. Missbrauchen nicht nur unsere Traditionsfeste. Sie wollen sich unserer Straßen, ja unserer gesamten Stadt und ihrer Menschen bemächtigen. Jetzt ist Schluss“ Stopp! Bis hierher und nicht weiter“, so der kämpferische Orthen.

Der Bürgermeister machte deutlich, wofür Bad Neuenahr-Ahrweiler steht: „Wir wollen mit allen friedlich in unserer Stadt zusammenleben, auch wenn sie anders glauben, anders aussehen, anders leben als man selbst es für sich gut und richtig empfindet.“ Toleranz habe dort ihre Grenze, wo sie für Intoleranz und Unfreiheit missbraucht werde. Zum Schluss richtete er sich an die Neonazis direkt, denen er zuruft: „Wir überlassen euch nicht unsere Schulen für eure dumpfen Parolen, ohne dass wir und unsere Jugend selbst diesen Parolen Paroli bieten. Wir überlassen euch nicht unsere Persönlichkeit, nicht unsere Herzen und Seelen. Wir sind zum Widerstand gegen alles Unmenschliche bereit.“

Unter den Besuchern der Veranstaltung war auch die Familie begrüßt worden, der das „braune Haus“ in der Weinbergstraße gehört: Sie seien Opfer und nicht Täter, betonte Stadtrat Rainer Jakobs.

Landrat Jürgen Pföhler sprach von der „Negativpresse, die unserem Ansehen und guten Ruf schadet“, und stellte klar: „Wir wollen kein ,braunes Haus‘, bei uns ist kein Platz für braune Gesinnung.“

Eveline Lemke, die stellvertretende Ministerpräsidentin warb dafür, die jungen Leute auf der Antifa-Seite nicht auszugrenzen. Sie demonstrierten nicht nur, weil sie Krawall machen wollten: „Sie vielmehr mitzunehmen wäre klug“, sagt die Wirtschaftsministerin. Ein Punkt, auf den auch Agnes Menacher vom Remagener Bündnis für Frieden und Demokratie zu sprechen kam. Bei aller berechtigten Kritik hätte die Antifa Mut bewiesen. Just zu diesem Moment zog die Antifa-Demo lautstark auf der Rathausstraße an der versammelten Menge vorbei.

Polizei-Einsatzleiter Gerd Bertram zeigte sich zufrieden mit dem Ablauf. „Beide Versammlungen verliefen ohne nennenswerte Zwischenfälle.“ Von Seiten der Antifa-Teilnehmer gab es Unmut, bei der friedlichen Kundgebung von der Polizei gefilmt zu werden. Der Demonstrationszug passierte die Weinbergstraße, in der das „braune Haus“ ist, hatte aber nicht am Haus selbst vorbeiziehen dürfen.

Quelle: Rhein-Zeitung 24.3.2012 – http://www.rhein-zeitung.de/region/bad-neuenahr_artikel,-Bad-Neuenahr-Ahrweiler-demonstriert-gegen-Neonazis-_arid,400440.html#articletop

Gegen Neonazis: Bad Neuenahr-Ahrweiler will mit Demo Zeichen setzen – Neonazi-Demo fällt aus! Neonazianmelder im Untersuchungshaft! Bitte gemeinsame An- und Abreise nutzen! Achtet auf euch! Infotelefon und EA Telefon sind am 24.3. ab 10 Uhr den ganzen Tag errreichbar! Achtet auf Twitter/Ticker Meldungen!

Bad Neuenahr-Ahrweiler – Die Neonazi-Demo fällt aus, der Anmelder sitzt nach der Razzia im „Braunen Haus“ in U-Haft wie viele seiner Gesinnungsgenossen. Und dennoch oder gerade steht Bad Neuenahr-Ahrweiler davor, ein eindrucksvolles Zeichen zu setzen. 320 Gruppen, Vereine Parteien und Personen des öffentlichen Lebens haben bereits einen Aufruf „Wir für Toleranz und Freiheit“ unterschrieben und lassen viele Teilnehmer bei einer Demo am Samstag erwarten. Die Stadt habe sich auch keine Versäumnisse vorzuwerfen, sagt Bürgermeister Guido Orthen.

Das „braune Haus“ in Bad Neuenahr: Bis zur Razzia in der Szene Treffpunkt von Rechtsradikalen. Hier war auch eine Neonazi-Demo geplant worden, die die Stadt auf den Plan rief und zur eigenen Kundgebung veranlasste. Das „braune Haus“ in Bad Neuenahr: Bis zur Razzia in der Szene Treffpunkt von Rechtsradikalen. Hier war auch eine Neonazi-Demo geplant worden, die die Stadt auf den Plan rief und zur eigenen Kundgebung veranlasste.

Von der Brisanz des 24. März ist einiges genommen, nachdem die von rechtsextremer Seite beantrage Demonstration abgesagt worden ist. „Der Anmelder dieser Veranstaltung wurde im Zusammenhang mit der Großaktion der Polizei gegen Mitglieder der rechten Szene in der vergangenen Woche festgenommen und befindet sich in Untersuchungshaft“, teilte die Kreisverwaltung mit. Genehmigt ist neben der städtischen Kundgebung auch die Demonstration „Keine Straße, keine Stadt, kein Haus für Nazis“, zu der antifaschistische Gruppen im weiten Umkreis aufgerufen haben – unter Auflagen. Die Weinbergstraße mit dem „braunen Haus“ ist in der genehmigten Route nicht enthalten. Verboten ist, Waffen und Uniformen zu tragen oder sich zu vermummen. Die Demonstration beginnt um 13 Uhr am Bahnhof Bad Neuenahr. Die Veranstalter rechnen mit rund 200 Teilnehmern.

Die Zahl von 500 Teilnehmern hat die Kreisstadt in ihrem Antrag für ihre um 14 Uhr beginnende Veranstaltung genannt. Wie viele es Samstag tatsächlich sein werden, vermag Guido Orthen nicht zu sagen. „Der Mobilisierungsgrad ist außerordentlich hoch“, sagt der Kreisstadtbürgermeister, der sich freut, dass der Aufruf „auf sehr großes Interesse stößt“. Der Aufruf richtet sich „gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Diffamierung und Gewalt gegen soziale, kulturelle und andere Minderheiten “. Da viele der Unterzeichner Multiplikatoren seien, sei die mutmaßliche Teilnehmerzahl schwer abzuschätzen. Sollte der Parkplatz hinter dem Rathaus nicht ausreichen, könne man den Versammlungsort in Rücksprache mit der Polizei auf die Rathausstraße ausweiten.

Dort zieht auf dem Rückweg auch die Demonstration her, zu der antifaschistische Gruppen aus Rheinland-Pfalz und NRW aufgerufen haben. Ein Problem sieht Orthen darin nicht. „Wir haben vor niemandem Angst“, versicherte der Kreisstadtbürgermeister. Überhaupt bestehe für überzogene Angst keine Veranlassung. Die Organisatoren der andren Demo kündigen „eine kraftvolle und bunte Demonstration“ an, bei der von ihrer Seite keine Eskalation ausgehen werde.

Quelle: Rhein-Zeitung 23.3.2012 – http://www.rhein-zeitung.de/regionales_artikel,-Neonazis-Bad-Neuenahr-Ahrweiler-will-mit-Demo-Zeichen-setzen-_arid,399581.html

+ Antifaschistische Demonstration am 24.03. in Bad Neuenahr findet statt + Bündnis möchte lautstarke und bunte Demonstration durchführen + Routenänderung und überzogene Auflagen durch Polizei + Naziaufmarsch in Ahrweiler geplant + Pressesprecher Glosser: “Von uns wird keine Eskalation ausgehen!” +

Die für den 24.03.2012 geplante antifaschistische Demonstration in Bad Neuenahr – Ahrweiler findet statt. Mittlerweile mobilisiert das “Bündnis 24. März 2012” mit breiter Unterstützung von Antifagruppen über Jugendverbände bis hin zu aktiven Gewerkschafter_innen zur antifaschistischen Demonstration “Keine Stadt, keine Straße, kein Haus den Nazis” für 13.30 Uhr zum Bahnhof Bad Neuenahr.

Ziel des Bündnis ist es, mit einer lautstarken und bunten Demonstration ein entschlossenes Zeichen gegen Neonazis und das “Braune Haus” in Bad Neuenahr – Ahrweiler zu setzen. Am 13.03. kam es zu einer Großrazzia der Polizei gegen die Neonazis vom “Aktionsbüro Mittelrhein”. Dabei wurde auch das “Braune Haus”, das Zentrum der Neonazis, durchsucht. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft Koblenz lauten unter anderem “Bildung einer kriminellen Vereinigung” und “gefährliche Körperverletzung”. Seit Jahren klären couragierte Antifaschist_innen immer wieder über die Situation und das gewalttätige Vorgehen der Neonazis in der Region auf.

Unverständlicherweise werden dabei nun ausgerechnet Antifaschist_innen durch die Behörden Steine in den Weg gelegt. So akzeptierte die Versammlungsbehörde nicht die von dem “Bündnis 24.März 2012” bereits am 02.02.2012 angemeldete ursprüngliche Demonstrationsroute.
Die Polizei verwies in einem Kooperationsgespräch mit dem Anmelder der antifaschistischen Demonstration auf einen gleichzeitig stattfindenden Neonaziaufmarsch, der am Bahnhof Ahrweiler starten soll. Darüber hinaus wird die Demonstration des Bündnisses mit überzogenen Auflagen konfrontiert.

Hierzu Pressesprecher Florian Glosser: “Wir können das Verhalten der Versammlungsbehörde und Polizei absolut nicht nachvollziehen. Scheinbar soll trotz des großen Medienechos der letzten Tage die Außenwirkung der antifaschistischen Demonstration massiv eingeschränkt und gleichzeitig Neonazis ein Aufmarsch zum “Braunen Haus” ermöglicht werden. Die im Kooperationsgespräch mehrfach geäußerten Bedenken einer gleichzeitigen Anreise der Neonazis wurden heruntergespielt. Die Polizei will uns wohl somit eine sichere Anreise erschweren.
Trotz allem ist unser Ziel an diesem Tag nach wie vor eine kraftvolle und bunte Demonstration durchzuführen. Dabei wird von uns keine Eskalation ausgehen!”

Keinen Tag länger das „braune Haus“!
KEINE STADT
KEINE STRASSE
KEIN HAUS DEN NAZIS – Auch in der Provinz

Bündnis 24. März 2012

„Braunes Haus“ Bad Neuenahr: Vermieter wollten Neonazi-Bewohner loswerden – Vorwürfe an Stadt und Nachbarn

Bad Neuenahr. Vielleicht, sagt Rosemarie K. heute, hätte sie bei dem Wort Sozialraum misstrauisch werden können. Doch wer denkt bei so einem Begriff schon an Rechtsradikale? Die drei jungen Männer, die sich Ende 2009 für das Haus in der Bad Neuenahrer Weinbergstraße interessierten, wollten in einem der Zimmer einen Gruppenraum einrichten. „Ich dachte mir nichts dabei, das waren ja nette junge Männer“, sagt K., die das Haus gemeinsam mit ihrem Bruder für ihre pflegebedürftige Mutter vermietet. Sie haben sich ganz bewusst für die Studenten entschieden. „Wir haben ja selbst Kinder, die studieren.“ Wenig später wurde der Mietvertrag unterschrieben.

Rosemarie K. wurde schnell klar, wen sie sich als Mieter in das Haus geholt haben. Junge Neonazis machten die Weinbergstraße zu einem rechtsradikalen Wohnprojekt. Mehr als zwei Jahre lang versuchte sie, die radikalen Bewohner loszuwerden. Erst am Dienstag hatte der Spuk ein Ende. Polizeibeamte stürmten das „Braune Haus“ und zerschlugen das dort aktive „Aktionsbüro Mittelrhein“. Insgesamt wurden 24 mutmaßliche Neonazis in mehreren Bundesländern festgenommen. In dem Sozialraum hatten sich mehr als zwei Jahre lang Neonazis getroffen und von dort vermutlich Übergriffe auf politische Gegner geplant.

Man kann Rosemarie K. wohl nicht vorwerfen, dass sie nicht schnell reagiert hätte. Schon vor zwei Jahren, kurz nachdem Antifaschisten auf die Neonazis aufmerksam machten, kündigten sie den Mietvertrag. „Als wir von der Gesinnung der jungen Leute erfahren haben, wurde das Mietverhältnis sofort beendet“, sagt sie. Schon ihr Großvater, der in dem Haus wohnte, war ein überzeugter Gegner jeglichen Rassismus‘, sagt sie. „Rechtsradikale Ideologien halten wir für menschenverachtend und lehnen sie ab.“ Doch die Neonazis wollten das Haus nicht verlassen. Im Herbst 2010 ging die Sache vor Gericht, der erste Termin wurde vertagt. Bei der Verhandlung im März 2011 scheiterten sie mit ihrer Kündigung. Die Vermieter argumentierten unter anderem, dass die Räume für politische Aktivitäten genutzt wurden. Das reichte aber nicht. „Wir bekamen keine Unterstützung – weder von der Stadt noch von den Nachbarn“, sagt sie. „Niemand wollte sich für den Prozess zur Verfügung stellen, um gegen die Bewohner auszusagen“, sagt sie. „Man hat uns mit dem Problem alleingelassen.“

Ende des vergangenen Jahres wurde der Mietvertrag erneut gekündigt – diesmal klagten die Besitzer auf Eigenbedarf. Immer wieder schrieben sie zudem Briefe, persönliche Treffen waren schwierig geworden. „Wir wurden von den Bewohnern verbal attackiert“, sagt sie. Die Schreiben wurden von den Bewohnern ignoriert. Insgesamt gaben K. und ihr Bruder fast 10 000 Euro für Gerichtskosten aus. Genützt hat es nichts. Bis zuletzt gingen die Neonazis in der Weinbergstraße ein und aus. An Rosemarie K. haben der Streit und die Verhaftungen gezehrt. „Ich bin unheimlich betroffen und sprachlos.“ Als sie das Haus in den Nachrichtensendungen sah, musste sie daran denken, wie wichtig dieses Gebäude einst für ihre Familie war. „Dieser emotionale Bezug wurde zerstört.“ Von der Stürmung des Hauses hat K. aus den Medien erfahren. Weder Polizei noch Stadt haben sich bisher bei ihr oder ihrem Bruder gemeldet, sagt sie.

Quelle: Rhein-Zeitung 15.3.2012